Vogelgrippe, Hauskatzen vor Ansteckung schützen

Stand: März 2006

Seit kurzem ist das Thema Vogelgrippe auch in Deutschland aktuell.

Soweit wir Informationen dazu haben, werden wir sie hier zusammentragen.

Keine Panik! Auch wenn in wissenschaftlichen Experimenten gezeigt wude, daß die H5N1-Vogelgrippe auch auf Katzen übertragen werden kann, tritt dieser Fall in der Praxis wohl extrem selten auf. Die Katze muß dazu große Mengen des Virus aufnehmen. In den sehr wenigen bekannten Fällen ist dieses dadurch passiert, dass die Katze erhebliche Mengen Fleisch von inizierten Vögeln gefressen hat.

So dürfte es auch bei der aktuell auf Rügen gefundenen mit der Vogelgrippe infizierten Katze gewesen sein.

Ebenfalls im Laborversuch wurde gezeigt, dass eine Übertragung von Katze zu Katze möglich ist. Ob dieses im realen Leben auch passiert, ist damit jedoch nicht gezeigt.

Da Menschen in Mitteleuropa üblicherweise kein rohes Katzenfleisch essen, ist die Wahrscheinlichkeit einer Weiterübertragung von der Katze auf den Menschen extrem gering, denn zur Übertragung der Krankheit ist nach derzeitigem Kenntnisstand eine erhebliche größere Anzahl durch den Menschen aufgenommene Viren erforderlich, als durch normalen Umgang mit der Katze übertragen werden. Es ist bisher weltweit kein Fall bekannt, in dem ein Mensch von einem Säugetier mit Vogelgrippe infiziert wurde. Und das, obwohl es die Vogelgrippe außerhalb Europas schon seit Jahren gibt.

Das Ansteckungsrisiko für die Freilaufkatzen ist zur Zeit vermutlich kleiner als die Wahrscheinlichkeit, durch panische Überreaktion ängstlicher Zeitgenossen z.B. abgeschossen zu werden. Insofern könnte es sinnvoll sein, einmal über die unten genannten Vorschläge zum Schutz von Freilaufkatzen nachzudenken.

In den am stärksten betroffenen Gebieten, in denen bekanntermaßen tote infizierte Vögel in größerer Zahl herumliegen, ist ein gesicherter Auslauf als vorbeugende Maßnahme auf jeden Fall empfehlenswert. Gleiches gilt, wenn sich im Revier der Freilaufkatze Seen mit vielen Wildvögeln befinden. ( Ergänzung 1.März.06 Seit heute ist in den ausgewiesenen Geflügelpest-Sperrbezirken vorgeschrieben, Katzen nicht mehr frei laufen zu lassen, und Hunde anzuleinen )

Unser aktueller Informationsstand ist:

  • Reine Wohnungskatzen sind nicht bedroht, da sie keinen Kontakt zu eventuell infizierten Vögeln haben.

  • Bei Wohnungskatzen mit Auslauf auf einen Balkon dürfte das Risiko einer Ansteckung extrem gering sein. Zusätzlich können Sie, wie von uns aus anderen Gründen sowieso empfohlen ( Absturzsicherung), ihren Balkon mit einem Katzenschutznetz mit 3x3cm Maschenweite sichern. Dann ist es praktisch auszuschließen, daß ein infizierter Vogel auf dem Balkon landet.

  • Schwieriger wird die Situation bei Katzen mit Freilauf. Hier kann naturgemäß nicht ausgeschlossen werden, daß eine Katze einen erkrankten Vogel findet oder fängt.
    Eine große Gefährdung besteht unseres Wissens nach insgesamt in Deutschland zur Zeit nicht, insbesondere auch dadurch, dass Singvögel oder Tauben, die als Beute einer Katze in Frage kämen, derzeit noch überhaupt nicht von der Vogelgrippe betroffen sind.

    Wenn man in einem Gebiet wohnt, in dem bereits infizierte Vögel gefunden wurden, wäre die einzige uns derzeit bekannte Möglichkeit zur Verringerung des Ansteckungsrisikos, den Freigang der Katze zu verhindern oder einzuschränken. Eine an Freigang gewöhnte Katze plötzlich längere Zeit nur im Haus bzw. der Wohnung zu halten ist zum Teil extrem schwierig. Einigen Katzen macht es nicht viel aus, andere zeigen massives Protestverhalten. Dies kann von Maunzen über Kratzen an Türen und Tapeten bis zu Urinieren in der Wohnung usw. reichen.
    Als Möglichkeit für den Katzenbesitzer käme eventuell in Betracht, die Katze vorsorglich schrittweise über einen längeren Zeitraum an selteneren Freigang zu gewöhnen. Wenn machbar, wäre ein recht großer Schutz dadurch zu erreichen, daß man, wie bei der Balkonsicherung, einen Teil des Gartens oder die Terrasse mit Katzenschutznetzen (3x3cm) zu einem gesicherten Auslaufbereich macht, und der Katze nur dort ihren Auslauf gewährt. ( Mehr Infos zu gesichertem Auslauf ). Als Schutz gegen die Vogelgrippe muss der Bereich nicht nur seitlich, sondern natürlich auch nach oben zumindest mit Netzen gesichert sein, damit keine Vögel dort hineinfliegen können.

Insbesondere in Bereichen, in denen schon infizierte Vögel gefunden wurden, sollte man verendete Katzen oder Wildtiere vorsorglich nicht anfassen.

Antworten auf Fragen:

Kann man Freilaufkatzen anleinen?

Ob man mit einer bisher an Freilauf gewöhnten Katze an der Leine spazierengehen kann, ist unterschiedlich. Einige Katzen mögen es, andere nicht. Sie benötigen dazu ein Laufgeschirr (=Halsband + Brustgurt) und eine nicht zu lange Leine. Nicht selbst mit der Katze spazierenzugehen, sondern sie draußen an der Leine irgendwo anzubinden, ist keine gute Idee
( hier mehr dazu )

Abschließend nochmal ausdrücklich der Hinweis:
Außerhalb der stark betroffenen Gebiete und der Sperrbezirken besteht derzeit kein Grund zu übertriebener Sorge, und Katzen brauchen auch nicht im Haus zu bleiben.

Lesen Sie dazu auch die Pressemitteilung unseres Kooperationspartners:

Das Deutsche Tierhilfswerk e.V. kritisiert Diskussion um Abschusserlaubnis für freilaufende Haustiere

Berlin, 08.03.2006. Ginge es nach dem Verbandschef der niedersächsischen Geflügelwirtschaft, dann müssten alle streunenden Katzen getötet und alle übrigen einer Stallpflicht unterworfen werden. Der Herr vertritt die Ansicht, dass sich Katzen derzeit nicht in freier Wildbahn bewegen dürften, da sie die Vogelgrippe weiter verschleppen würden.

Äußerungen wie diese, die auf politischer Ebene geführte Diskussion um einen möglichen Abschuss von streunenden Katzen und die teilweise überzogenen Maßnahmen der Regierung schüren unnötigerweise die Angst vor Katzen in der Bevölkerung , kritisiert Ursula Bauer, Biologin des Deutschen Tierhilfswerks Berlin. Dabei ist die Vogelgrippe nach wie vor eine hauptsächlich bei Wildwasservögeln auftretende Vogelkrankheit und die auf Rügen gefundenen infizierten Katzen Einzelfälle in einem isolierten Gebiet mit derzeit hohem Infektionsdruck. Es wurde weltweit auch noch kein einziger Mensch durch ein Säugetier mit dem Vogelgrippe-Virus infiziert. Durch den Fund von drei angeblich infizierten Katzen wird die Vogelgrippe für den Menschen nicht gefährlicher. Daher besteht im Moment auch kein Anlass, gegen Katzen irgendwelche Maßnahmen zu verhängen.

Zur Zeit geben viele verängstigte Tierhalter ihre Hauskatzen in Tierheimen ab. Die Zahl der ausgesetzten Tiere steigt ebenfalls und Tierärzte werden vermehrt von verängstigten Haltern darum gebeten, ihre Katzen prophylaktisch einzuschläfern. Für derartige drakonische Maßnahmen besteht keine Veranlassung. Der geliebte Haustiger wird nicht aus heiterem Himmel zum virenstrotzenden Todbringer.

Unabhängig von der moralischen Verantwortung, die wir gegenüber unseren Haustieren haben, darf kein Tierarzt ein gesundes Tier vorsorglich einschläfern , betont Ursula Bauer vom Deutschen Tierhilfswerk Berlin. Und natürlich ist auch in Zeiten der Vogelgrippe das Aussetzen von Tieren strafbar.


Auch von verwilderten Hauskatzen, den sogenannten Streuner- oder Straßenkatzen, geht keine Gefahr aus. Die scheuen Tiere lassen sich in der Regel nicht einmal von Menschen anfassen. Seit vielen Jahren setzt sich das Deutsche Tierhilfswerk im Rahmen seines Streunerkatzenprojekts aktion kitty aktiv für Straßenkatzen in ganz Deutschland ein. Etwa 1,7 Mio. Streunerkatzen leben in Deutschland, davon alleine etwa 40.000 in Berlin. Unqualifizierte Äußerungen wie die des Chefs des niedersächsischen Geflügelwirtschaftsverbands gefährden unser Projekt in der Hauptstadt , klagt Ursula Bauer vom DTHW- Berlin. Die Tierschützer haben jahrelang mit Engelszungen um Akzeptanz für ihre Futterstellen und die Duldung der Katzen-Schlafhäuschen gekämpft. Die aktuelle Angst vor Katzen führt jedoch dazu, dass kitty-Mitarbeiter von Haus- oder Grundstücksbesitzern gezwungen werden, Futterstellen aufzulösen und Schlafhäuser abzuholen. Jetzt im Winter hat dies für die Straßenkatzen katastrophale Folgen , betont Ursula Bauer. Die Tiere werden krank und verelenden zusehens , so Ursula Bauer weiter, und wir beginnen mit unserer Arbeit wieder von Vorne .


Das Deutsche Tierhilfswerk rät zu mehr Gelassenheit und bittet: Verschonen Sie die Katzen mit irgendwelchen unsinnigen Maßnahmen. Sowohl Ihre eigene Hauskatze als auch die Straßenkatzen .

Der verbale Vorstoß des Verbandschefs der niedersächsischen Geflügelwirtschaft mutet wie ein Ablenkungsmanöver an. Schließlich gilt es als wahrscheinlich, dass gerade die Geflügelindustrie mit ihren extremen Haltungsbedingungen und ihrem laxen Umgang mit verseuchten Produkten und Abfallstoffen nicht unwesentlich an der Verbreitung von H5N1 beteiligt ist.

Das DEUTSCHE TIERHILFSWERK ist mit 210.000 Mitgliedern und 200 Kooperationspartnern eine der größten Tier- und Artenschutzorganisationen Deutschlands.

Weitere Informationen bei:

Ursula Bauer, DTHW- Geschäftsstelle Berlin, Tel.: 030 30 10 38 31, berlin@tierhilfswerk.de

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